Wie eine Gemeinde vor der Stadt entstand
Die Geburtsstunde der reformierten Gemeinde Ronsdorf

Am Montag, den 23.10.1741 verlässt ein Brief den kurfürstlichen Amtssitz in Mannheim. Adressaten sind die „reformirten Einwohner zu Ronsdorf, Herzogthum Berg und Amt Beyenburg“.
Auf dieses Schreiben haben die Männer und Frauen um Elias Eller lange gewartet. Kurfürst Carl Philipp erteilt den aus Elberfeld nach Ronsdorf ausgewanderten Christenmenschen in diesem Schreiben die Erlaubnis zum Bau einer eigenen Kirche, nach dem die ihm mitgeteilt hatten, wie „ ohnbequem und mühsam es ihnen falle, aus Mangel der daselbst nicht vorhandenen reformierten Kirche“ bis zu zwei Stunden Weg zu einem eigenen Gotteshaus zu haben.
Mit der Erlaubnis zum Bau einer Kirche verbunden war auch die Erlaubnis des „freien Religionsexercitiums“, also die Gründung einer eigenständigen Kirchengemeinde mit allen Rechten und Pflichten.
Ein interessanter Nebenaspekt: Die Gründung der reformierten Gemeinde im katholisch geprägten Herzogtum Berg war nur möglich, weil der König von Preußen vertraglich zugesichert hatte, dass er in seinem protestantisch geprägten Bereich die Gründung einer katholischen Gemeinde erlaube. In diesem Zuge entstand die katholische Gemeinde in Osttönne bei Soest.
Der 23.10.1741 ist das Gründungsdatum der Ev.-reformierten Gemeinde Ronsdorf. Erst im Sommer 1745 erhielten die in Ronsdorf Wohnenden die Stadtrechte. Üblicherweise gab es zunächst eine Stadtgründung und dann sorgten die Bürger sich darum, eine oder mehrere Gemeinden zu gründen und Kirchen zu bauen. Eine Besonderheit, die Ronsdorf mit kaum einer anderen Stadt in Deutschland teilt.
Dass Kirchengeschichte und Stadtgeschichte so eng miteinander verbunden sind, prägt Ronsdorf bis heute.






